Marcus Herdin: Risikoabschätzung als ein Werkzeug der präventiven Konservierung

Dargestellt am Beispiel der Schack-Galerie, München.

Präventiv zu konservieren heißt, Kunstwerke vor Schäden zu bewahren. Dazu gehört vor allem, die Umgebungsbedingungen für Objekte so günstig wie möglich zu gestalten. Präventive Konservierung konzentriert sich mehr auf Sammlungen als auf Einzelkunstwerke und hat das Ziel konservatorische oder restauratorische Eingriffe hinauszuzögern. Wesentliche Voraussetzung ist die Risikoabschätzung. Die verschiedensten Schadensfaktoren werden dabei umfassend beschrieben und bewertet. Die gewonnenen Informationen (Daten zu Klima, Licht, Schadstoffen etc.) werden dann in Bezug aufeinander ausgewertet.
Die Risikoabschätzung ist beispielhaft für die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene Sammlung des Adolph Friedrich Graf von Schack durchgeführt worden. Sie befindet sich in einer eigens dafür erbauten, heute denkmalgeschützten Galerie an der stark befahrenen Münchner Prinzregentenstraße. Das Gebäude weist aus konservatorischer Sicht einige Mängel auf. Die Heizungsanlagen sind nicht befriedigend regulierbar. Undichtigkeiten in den Fensterbereichen erschweren in großem Maß eine kontrollierbare Klimatisierung und begünstigen den Zutritt von Schadgasen. Durch die Teppichböden in den Ausstellungsräumen kommt es zu erhöhter Staubbelastung. Die Verschattungsanlagen der Oberlichter sind nicht funktionstüchtig, was für die Kunstwerke zusätzliche Klima- und Lichtbelastungen bedeutet. Die Gemälde selbst dagegen haben den Vorteil, dass sie kaum den Belastungen durch restauratorische Eingriffe in der Vergangenheit ausgesetzt waren. Als Hauptrisikofaktoren wurden Klima, Licht, gasförmige und feste Luftschadstoffe festgelegt. Zur Auswertung wurden unterschiedliche Software und verschiedene graphische Darstellungsarten verwendet, um die Messergebnisse deutlich zu veranschaulichen. Die Empfehlungen, die aus der durchgeführten Abschätzung resultieren sind vielfältig. Beispielsweise könnte eine Einteilung der Galerie in Zonen vor allem im Eingangsbereich die Klimasituation stabilisieren. Verbesserungswürdig sind unter anderem die Dichtigkeit in den Fensterbereichen und das gesamte Heizungssystem, bzw. dessen Ersatz durch eine Bauteiltemperierung. Eine Fülle weiterer Maßnahmen könnte helfen, die Sammlung auch in Zukunft so zu bewahren, dass sich konservatorisch-restauratorische Eingriffe an den Gemälden minimieren.

Schlagworte: Klima, relative Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Bauteiltemperierung, Schadstoffe, elektromagnetische Strahlung, Licht, Staub

Diplomarbeit, 2002, Deutsch, 73 Seiten.
Betreuer: Prof. Dipl.-Restaurator Erwin Emmerling, Dr. habil. Andreas Burmester

Publikation: Auszüge in Restauro, Ausgabe 6, 2003