Felix Horn: Digitale Bildverarbeitung als ein Werkzeug der präventiven Konservierung

Die Vielzahl von Rückrestaurierungen zeigt, wie wichtig minimal invasive Methoden der Restaurierung sind und welche Bedeutung der präventive Konservierung einzuräumen ist. Gerade in diesem Kontext gewinnt die digitale Bildverarbeitung große Bedeutung. Mit ihr kann eine Restaurierung bzw. eine Rekonstruktion des früheren Zustands virtuell erreicht werden. Wie solche Maßnahmen aussehen können und welche Schwierigkeiten dabei zu überwinden sind, zeigen drei Beispiele. Jede Aufgabenstellung erfordert eine andere digitale Herangehensweise mit der entsprechenden Software.
Bei römischen Wandfragmenten war zu fragen, wie sie in Zukunft ausgestellt werden sollen. Die frühere unsachgemäße Verklebung war zu entfernen. Hätte man die Fragmente wieder in einen Wandverbund einbringen wollen, so wäre das Einfügen in ein Mörtelbett nötig. Mittels digitaler Bildbearbeitung lassen sich die Fragmente exakt (und reversibel) zusammenfügen. Eine virtuelle Ergänzung und Retusche ist möglich, die Fragmente selbst bleiben unberührt.
Das zweite Beispiel betrifft ein ptolemäisches Kulttuch, das nur äußerst fragmentarisch vorliegt. Durch die Verformungen und die Fragilität des gealterten bemalten Textils ist ein Restaurierung nicht möglich. Es bietet sich an, auf dem Bildschirm einen Eindruck von dem ursprünglichen Aussehen des Kulttuches zu gewinnen.
Eine großformatige Brüsseler Tapisserie zeigt die für Bildteppiche dieser Art typischen Schäden: Die Hängung hat nicht nur durch das hohe Eigengewicht zu Verformungen geführt, sondern auch zu einem Ausbleichen der Vorderseite. Mittels der digitalen Bildbearbeitung kann eine Vorstellung davon gewonnen werden, welcher Farbreichtum die Vorderseite einst auszeichnete. Durch das Einscannen der Farben der nicht verblichenen Rückseite und das Übertragen dieser Farbwerte auf die Vorderseite entsteht das virtuelle Bild der ursprünglichen Polychromie.

Schlagworte: minimalinvasiv, virtuelle Rekonstruktion, Digitalfoto, Scannen, Photoshop, Tintenstrahldrucker

Diplomarbeit, 2002, Deutsch, 95 Seiten, 21 Abbildungen, 6 digitale Drucke.
Betreuer: Prof. Dipl.-Restaurator Erwin Emmerling, Dipl. Inform. Univ. Anders Uschold

Publiziert: Materialien aus dem Institut für Baugeschichte und Bauforschung; Kunstgeschichte; Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft und dem Architekturmuseum, Verlag Anton Siegl, München 2003