Vitruv und die Techniken des Raumdekors

Kritische Neuübersetzung zur besseren Interpretation und qualitativen Einordnung archäologischer Befunde anhand naturwissenschaftlicher Analysen und experimenteller Rekonstruktion.

Die Förderrichtlinie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung "Übersetzungsfunktion der Geisteswissenschaften" beschreibt das Übersetzen als Kernkompetenz der Geisteswissenschaften - Teil dieser Übersetzungskompetenz ist wiederum der Diskurs zwischen geistes- und naturwissenschaftlichen Disziplinen. In Anlehnung daran stellt sich das Forschungsvorhaben die Aufgabe, die Fachbereiche Restaurierung und Kunsttechnologie, Bauforschung, Klassische Archäologie und Philologie miteinander zu verknüpfen. Die im Verbundprojekt beteiligten Wissenschaftler erarbeiten gemeinsam eine kritische Neuübersetzung des Vitruvtextes De Architectura VII mit dem Ziel einer besseren Interpretation und qualitativen Einordnung archäologischer Befunde anhand naturwissenschaftlicher Analysen und experimenteller Rekonstruktion. Hierbei soll u. a. eine kritische Analyse neuzeitlicher Übertragungen von Vitruv (zu Putz- und Stucktechnik, Wandmalerei) sowie die Etablierung einer neuen Übersetzung unter Einbeziehung von Ergebnissen aus aktuellen archäologischen, kunsttechnologischen und naturwissenschaftlichen Forschungen erfolgen. Dazu sind Recherchen zu Auslegungen des Quellentextes, zu vorhandenen archäologischen Befunden und naturwissenschaftlichen Analysen geplant. Daneben wird ein Vergleich der Quellenschriften mit archäologischen Befunden und eine Analyse der angewandten handwerklichen Techniken erfolgen. Auf Basis der daraus gewonnen Erkenntnisse über traditionelle antike Materialien und Werkprozesse werden in Zusammenarbeit mit der Stuck- und Abgusswerkstatt der Akademie der Bildenden Künste in München handwerklich hochwertige Rekonstruktionen von antiken Putzen und Stucken angefertigt (experimentelle Archäologie). Die Befunde an Originalen und Repliken können anschließend durch verschiedene analytische Methoden verglichen werden. Resultat der Auswertungen der einzelnen Arbeitsphasen wird eine neue deutsche Übersetzung und Kommentierung der kunsttechnologischen Beschreibungen der Vitruvschen Quellenschrift sein. 

Publikation:

Erwin Emmerling, Stefanie Correll, Andreas Grüner, Ralf Kilian (Hrsg.)
Firmitas et Splendor. Vitruv und die Techniken des Wanddekors. München 2014 (ISBN 978-3-935643-62-7)

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Zusammensetzung der Arbeitsgruppe

Projektleitung:
> Prof. Erwin Emmerling
Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft der Technischen Universität München

Projektkoordination:
> Dr. Restauratorin Stefanie Correll (geb. Gerzer)
> Dipl. Restauratorin Univ. Laura Thiemann
Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft der Technischen Universität München

Übersetzung:
> PD Dr. habil. Andreas Grüner
> Felix Henke
Institut für Klassische Archäologie der Ludwigs-Maximilians-Universität  München

Experimentelle Archäologie:
> Dipl. Restaurator Ralf Kilian
Fraunhofer-Institut für Bauphysik Holzkirchen

Finanzierung:

Bundesministerium für Bildung und Forschung
http://www.bmbf.de

Laufzeit: 01.07.2009 bis 30.06.2012

Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/de/Landkarte-Geisteswissenschaften.php?D=188&LANG=DEU&M=434#dtl

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